Riederalp → Furkapass im Auftriebsfeld
Blaue Linien: wo die Luft trägt (alle 0.2 m/s, Eigensinken abgezogen). Rot = beste echte Fahrt, Blau = Avatar.
Methode · EN · Karten: swisstopo

Die schnellste Fahrt Riederalp–Furkapass — gerechnet aus Flügen

Am 17. Mai 2026 flog P.A. in 79 Minuten von der Riederalp zum Furkapass. Ein Avatar, der nichts kennt als Messdaten aus 752 Flügen, schafft dieselbe Strecke im Modell in 60 Minuten. Dieses Blatt erzählt, woraus er gebaut ist — und wo die Rechnung ehrlich an ihre Grenzen kommt.

Worum es geht

Dieser Versuch ist die Generalprobe für ein grösseres Projekt: aus einem Archiv von 949 787 Flügen (kk7) sollen Karten der tragenden Luft entstehen, nach Wetterlage getrennt. Bevor die grossen Daten da sind, wird die ganze Kette an einem kleinen Korpus durchgespielt: ein Feld aus Flugdaten bauen, es auf einen einzelnen Tag umrechnen, die Wolkenbasis einbeziehen, die schnellste Route berechnen — und das Ergebnis gegen eine echte Spitzenfahrt halten. Der Korpus: 752 Flüge zweier Piloten, 213 davon berühren das Gebiet.

Jeder Gleitschirm ist ein Messgerät

Ein Gleitschirm sinkt in ruhiger Luft mit bekannter Rate. Steigt er trotzdem, muss die Luft ihn getragen haben. Zieht man vom Vario das Eigensinken ab, bleibt die Bewegung der Luft übrig — Sekunde für Sekunde, entlang jeder Flugbahn. Genau das tut flightstates 2.0 mit jedem Flug des Korpus; es ist byteidentisch dasselbe Werkzeug, das für das grosse Archiv vorgeschlagen ist (Quellcode und Beschreibung: joergkorner.github.io/planner).

Die Messwerte der Geradeausstücke werden in Zellen von 300 m und fünf Höhenbändern von je 400 m zeitgewichtet gemittelt, leicht geglättet und nur dort gezeichnet, wo mindestens 90 Sekunden Daten liegen — das sind die blauen Isolinien der Karte, alle 0.2 m/s eine Linie, die fein gepunktete graue Linie ist der Rand des Feldes. Getrennt davon die Bartzellen: 400-m-Zellen, in denen tatsächlich gekreist wurde, mit gemessener Steigrate und gemessenem Höhenbereich — die orangen Punkte, als eigene Ebene wählbar.

Woher das Eigensinken kommt

Auch die Eigenpolare steckt in den Flügen selbst: je Fahrtband der häufigste Vario-Wert, denn die häufigste Luft auf Geradeausstücken ist beinahe ruhige Luft. Für das Gerät der besten Fahrt, gemessen aus 333 Flügen:

Eigenpolare Zeolite 2 GT

Die Wette

Der Avatar bekommt dieselbe Aufgabe wie P.A. und keine Rabatte: gleicher Startpunkt auf 2248 m, Pflicht-Wende am westlichsten Punkt des echten Flugs, Ankunft am selben Ort auf mindestens 2600 m, gleiche Polare. Dazu harte Regeln: nie näher als 30 m ans Gelände (auch in der Mitte jedes Schritts geprüft), geflogen wird nur im gezeichneten Feld, gestiegen nur in Bartzellen — nur in deren gemessenem Höhenbereich (±100 m), nur wo die Karte Auftrieb zeichnet (mindestens die +0.2-Linie), und höchstens bis zur Basis des Tages. Welche Bärte er nimmt und wie hoch er darin steigt, entscheidet allein die Optimierung: Zeitgewinn durch Höhe gegen Zeitverlust durchs Kreisen; der Windversatz während des Steigens wird anschliessend in die Geometrie eingerechnet — der Strich am Kreis.

Das Feld auf den Tag gerechnet

Ein Mittel über alle Tage ist noch kein Wetter. Der Tag selbst gibt im Gebiet 66 Geradeausstücke her (1.2 h); zeitgewichtet gegen das Alle-Tage-Feld an denselben Orten regressiert ergibt sich wTag = −0.42 + 2.36 · wMittel (r = 0.50): der Tag war stärker als das Mittel und geschärft — gute Stellen deutlich besser. Die Bartraten des Tages: Faktor 1.38. Weil eine so steile Regression die Maxima überzeichnet, wird beides am Tag selbst gedeckelt: Auftrieb im Gleiten höchstens 2.5 m/s (P95 der Tagesmessungen), Steigen höchstens 3.3 m/s (stärkster gemessener Bart des Tages).

Und die Basis? Der höchste Punkt, den der Tag im Gebiet hergab, lag bei 2947 m — der Avatar darf nirgends über 2940. Drei Vorbehalte gehören dazu: Bart-Ausstiege zeigen, wo ein Pilot aufhört zu steigen, nicht die Basis selbst. Der Korpus enthält von diesem Tag zwei Flüge, davon einen im Gebiet — wie viele wirklich flogen, weiss er nicht. Und Basis wie Stärke ändern sich mit der Stunde (gemessene Ausstiegs-Maxima: 2234 m um 07, 2947 um 08, 2448 um 09 UTC — die 09-Uhr-Zahl ist eine Stopp-Entscheidung, kein Basiswert); die Stundenauflösung braucht viele Flüge desselben Tages und bleibt dem grossen Projekt vorbehalten.

Wie der Avatar seine Route findet

Die Strecke wird in Schritte von 500 m zerlegt. An jedem Schritt gibt es viele Zustände: 17 seitliche Spuren im Abstand von 400 m und die Höhe in 20-m-Stufen. Für jeden Zustand merkt sich die Rechnung genau eine Zahl — die kürzeste Zeit, in der er erreichbar ist — und arbeitet sich Schritt für Schritt vor: sechs Geschwindigkeiten nach Polare (35–60 km/h), kleine Seitwärtsbewegungen, Steigen, wo ein Bart ist. Am Ziel steht die kleinste mögliche Zeit; rückwärts abgelesen ergibt sie die Route. Nichts geht vergessen: jeder erlaubte Weg besteht aus diesen Schritten, also ist die Lösung im Raster beweisbar zeitminimal.

Das Verfahren heisst dynamische Programmierung (Bellman-Prinzip) und ist mathematisch dieselbe Kürzester-Weg-Rechnung wie Dijkstra — nur auf einem Graphen, der ausschliesslich Fliegbares enthält.

79 gegen 60 — was der Unterschied bedeutet

Der Avatar ist nicht der bessere Pilot. Er kennt das ganze geeichte Feld im Voraus; P.A. musste jede Entscheidung treffen, ohne zu wissen, was vor ihm liegt. Eine Rechnung mit vollständiger Information ist eine obere Schranke für jede reale Fahrt: 60 Minuten sind die Grenze dessen, was das Feld an diesem Tag hergegeben hätte — keine Vorhersage, was ein Mensch schafft. Die Fahrtwahl je Gleitstück löst dabei numerisch, was die Sollfahrt-Theorie (MacCready) analytisch beschreibt.

Der entscheidende frühe Bart — und die Grenze der Daten

Seine Zeit gewinnt der Avatar vor allem früh: ein Bart bei 46.390/8.045 hebt ihn von 2260 auf 2800 m, danach hält er sich in der starken hohen Linie. Existiert dieser Bart? Der Beleg im Korpus ist ein einziges Segment eines einzigen Tages: am 1.5.2025 stieg dort ein Pilot von 1967 auf 3483 m — 1516 m in acht Minuten, 3.2 m/s im Mittel. Die Auftriebslinien der Karte an dieser Stelle sind davon unabhängig: sie stammen aus den Gleitsegmenten, 527 Sekunden aus 8 Flügen im Umkreis von 300 m. Viele flogen dort durch; gekreist hat dort im Korpus nur einer. Der Bart hat also mindestens einmal existiert, stärker und höher, als das Modell ihn nutzt. Aber: n = 1 Tag. Ob er am 17.5.2026 lief, ist nicht gemessen — P.A. flog in 610 m Abstand daran vorbei. Der Vorsprung des Modells (60 gegen 79 min) hängt wesentlich an dieser einen Annahme; wie oft dieser Bart steht, kann erst ein grosser Korpus sagen.

Weitere Grenzen

Das Feld existiert nur, wo geflogen wurde — Löcher können Vermeidung bedeuten, nicht schlechte Luft (im Band 3000–3400 m hat die Sonnseite 4.3-mal mehr Zellen mit Daten als die Schattseite; insgesamt liegen auf der Schattseite halb so viele Flugsekunden). Die Tages-Eichung stützt sich auf 1.2 h Daten (r = 0.50). Wind geht nur als gemessener Versatz aus der Kreisdrift ein. Die Punktzeiten der Modell-Linie (61 min) weichen durch die Versatz-Geometrie leicht von der Optimierung (60 min) ab. Und die Thermik hängt von der Tageszeit ab — das Modell löst das noch nicht auf. Immerhin: die Eich-Segmente stammen von 07:32 bis 09:10 UTC, demselben Fenster, in dem die Fahrt selbst lief — die Eichung ist also eine Vormittags-Eichung, kein Tagesmittel. Ein eigentlicher Tagesgang je Stunde braucht viele Flüge desselben Tages und bleibt dem grossen Projekt vorbehalten.